Bericht Moth Europeans

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Ein kleiner Audi machte sich mit einem großen Anhänger auf eine lange Reise. Am 22. August 2015, Samstag morgens, um 06:00 wurden die letzten Taschen verstaut und die Getränkehalter befüllt. Die lange Fahrt führte unser Gespann 950 km (in unserem Fall elfeinhalb Stunden) weit über Nürnberg, Frankfurt, Köln, Düsseldorf nach Holland. Lelystad um genauer zu sein, ein idyllisches Städtchen in mitten Flevolands, der Austragungsort der diesjährigen Moth Europameisterschaft.

Mit dabei waren unser Präsident Michael Schönleitner, seine Begleitung (und unsere Shorecrew, Masseuse, Anger-Management-Controllerin, …) Valerie Kecht und meine Wenigkeit, Max Stelzl. Vor dem ersten Start am Mittwoch hatten wir noch ein paar Trainingstage zur Akklimatisierung geplant, zu starker Wind machte uns allerdings einen Strich durch die Rechnung. Eine kurze Einheit am Sonntag war möglich, jedoch kehrte ich bereits nach der Hafeneinfahrt wieder um, leider ohne Schwert. Ca eine Stunde später kam auch Michi wieder ans Land, leider auch nicht ganz selbständig sondern auf einem Rescue Boat, er gewann einen Schlagabtausch mit seiner Want. Zur Feier des Tages hüpften wir in den Zug zu einer 40 minütigen Fahrt nach Amsterdam, wo das 5-jährlich stattfindende Sail-Amsterdam, ein spektakuläres Segelfestival, über die Bühne ging. Nach einem kleinen Trip durch die Stadt mit Moth Seglern aus der Schweiz, aus England und aus Kroatien genossen wir die Aussicht auf einer weiteren Zugfahrt zurück in unser kleines, feuchtes Schlafloch (= unser Quartier, die Trekkershut).

Nach der Meldung am Dienstag wurden zuerst das Practice Race, und Tags darauf auch die ersten Wettfahrten wegen zu starken Windes abgesagt. Am Donnerstag wich der Wettfahrtleiter Alex von seiner “We-have-enough-time-policy” ab und es wurden zwei Wettfahrten gesegelt. Windspitzen deutlich über 20 Knoten und eine kurze, steile Welle erschwerten vor allem das Vorwindsegeln, in der zweiten Wettfahrt konnten nur ca. 20 Segler des 70 Motten starken Feldes das Ziel erreichen. Michi hatte schon vor dem Auslaufen Probleme, sein Mast war bei dem Verlust seines Riggs am Sonntag angeknackst worden und Brach beim Aufbauen, er konnte sich jedoch schnell Ersatz von einem der Deutschen Segler ausborgen. Leider konnte er keine der Wettfahrten beenden, ich schaffte nach vielen, vielen Kenterungen eine Runde ins Ziel (natürlich war ich schon von den Engländern überrundet worden), der zweite Start blieb mir jedoch auch verwährt da ich nicht rechtzeitig abfallen konnte.

Freitag. Endlich weniger Wind. Nach den eher ernüchternden ersten Wettfahrten waren alle Segler froh um leichteren Wind zwischen 15 und 20 Knoten. An der Spitze entbrannte ein Kampf zwischen dem Europameister der letzten drei Jahre Chris Rashley und seinen Herausforderern (darunter Volvo Ocean Race Segler Rob Greenhalgh, Olympiasieger und Artemis Racing Segler Paul Goodison, …). Aber auch wir kamen besser mit den Verhältnissen zurecht, obwohl die Welle nach wie vor schwierig zu segeln war. Ich konnte mit einem 19. Platz in der dritten Wettfahrt des Tages aufzeigen, Michi war mit drei Ergebnissen in den mittleren 20ern konstanter als ich. Nach vier kräfteraubenden Wettfahrten wurde noch zur Lennon Sails Stadium Series gerufen, doch nur sieben Segler folgten dem Ruf. Zwei kurze Wettfahrten sollten knapp unter Land auf einem begrenzten Kurs gesegelt werden, als Lohn warteten Gutscheine im Wert von € 750,- für das Podium. Nach einem zweiten Platz in der ersten Wettfahrt knapp hinter dem Schweizer Präsidenten Philip Käsermann nahm ich meine letzten Kräfte zusammen, startete mit Nachrang hinter “Cheesy” auf die bessere Seite und konnte die Wettfahrt mit großem Vorsprung (und damit die Stadium Series) gewinnen!

stadiumrace

Am Samstag wurde der Wind noch leichter, viel leichter. Die siebte Wettfahrt wurde gestartet und nach eineinhalb Runden abgeschossen als das Zeitlimit vom 45 Minuten fast erreicht war. Ein erneuter Startversuch ließ ein bisschen mehr Foilen für die schnellsten zu, auch ich konnte dank meines großen Foils zwei Runden segeln und einen 15 Platz sichern. Michi hatte durch seinen Leihmast und ein kleines Foil Probleme auf die Foils zu kommen, wurde aber trotzdem 32. Da der Wind noch schwächer wurde, schickte der Wettfahrtleiter die Flotte ohne weitere Startversuche wieder an Land.

Da erst sieben Wettfahrten gesegelt waren wurde am Sonntag kein Medal Race gesegelt sondern wieder im gesamten Feld gestartet. Die erste Wettfahrt des Finaltages ließ anfangs wieder nur teilweise Foilen zu, nach einem starken Linksdreher verstärkte sich der Wind aber auf ca. 15 Knoten und es konnten noch zwei weitere Wettfahrten gesegelt werden. Ich konnte meine Platzierung fast halten und bin mit Platz 28 in der Gesamtwertung sehr zufrieden. Michi blieb leider ein wenig hinter den Erwartungen zurück, konnte aber trotzdem den 36. Gesamtrang sichern.

Und so konnte der kleine Audi mit dem großen Anhänger wieder gen Süden reisen, mit im Gepäck viele lehrreiche Erfahrungen in Vorbereitung auf die WM 2017 am Gardasee.